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Gesundheit / Krankheit

 

Gesundheit


Zur Pflege von Frettchen gehört nicht nur, sie mit Futter und Wasser zu versorgen, auch andere Dinge sind wichtig!


Krallen:

Alle 2-4 Wochen müssen den Frettchen die Krallen geschnitten werden. Praktisch ist, dass egal, um welchen Farbschlag es sich handelt, die Krallen von Frettchen alle aus hellem Horn sind. Das bedeutet, dass das rote Äderchen, was keinesfalls verletzt werden sollte, gut sichtbar ist. Für das Krallenschneiden kann eine spezielle Krallenschere oder aber ein Nagelknippser für Menschen benutzt werden. Ihr findet mit der Zeit heraus, was Euch besser liegt. Wenn Eure Frettchen Multivitaminpaste mögen, lenkt sie damit ab, während Ihr dann seelenruhig die Krallen schneiden könnt. Wenn Ihr die Frettchen auf Euren ausgestreckten Beinen auf den Rücken legt und ihnen etwas Paste auf den Bauch schmiert, können sie diese abschlecken, während Ihr Euch den Krallen widmet

Krallen schneiden Krallen schneiden


Ohren:

Schaut Euren Frettchen regelmäßig in die Ohren. Sind sie dreckig, reinigt sie. Frettchen reinigen sich in der Regel gegenseitig die Ohren, nicht aber jedes Frettchen lässt das auch zu. Zum Reinigen benutzt ein Wattestäbchen mit etwas Babyöl oder einem speziellen Präparat vom Tierarzt. Achtet unbedingt darauf, mit dem Wattestäbchen nicht zu tief in die Ohren zu dringen. Die Verletzungsgefahr ist hoch und eventuell schiebt man den Dreck nur sehr tief in den Gehörgang. Seid Ihr Euch unsicher, lasst Euch das Ohrenreinigen von einem Tierarzt zeigen.

Ohren reinigen


Fellwechsel:

Zweimal im Jahr kommen Frettchen in den Fellwechsel. Zum Winter hin wächst ihnen ein dichteres Fell (bei Außenhaltung wesentlich ausgeprägter), um sie vor der Kälte zu schützen, im Frühjahr legen sie sich ein leichteres Kleid zu. Diese Zeit ist für Frettchen anstrengend, das neu durchstoßende Fell juckt und kratzt, das alte Fell muss abgeworfen und entfernt werden. Man kann Frettchen dabei ganz leicht unterstützen, indem man durch festeres Kraulen oder Bürsten die alten, abgestorbenen Haare entfernt. Zudem ist die Gabe von Lebertran, Murnil-Pulver, Biohefetabletten oder Öl empfehlenswert.


Entwurmen:

Vorbeugendes Entwurmen ist unnötig, da Frettchen nicht zu Wurmbefall neigen. Eine wesentlich bessere Alternative ist es, Kot der Frettchen zu sammeln und es von einem Tierarzt auf Parasiten untersuchen zu lassen. Der Kot aller im Haushalt lebenden Frettchen kann ruhig in einem Behälter abgegeben werden, da ohnehin bei einem positiven Befund jedes Frettchen behandelt werden muss. Liegt nach der Untersuchung ein Befund vor, kann immer noch entwurmt werden. Liegt kein Befund vor, hat man den Tieren eine unnötige Dosis Chemie erspart. Habt keine Angst, dass die Kosten für die parasitologische Untersuchung extrem hoch sind, das ist nämlich nicht der Fall und oftmals günstiger als die Wurmkur fŁr alle Frettchen.


Gewichtskontrolle:

Frettchen sind leider wahre Könner, wenn es darum geht, Krankheiten zu verbergen. Manch Halter merkt erst dann, dass sein Frettchen krank ist, wenn es sprichwörtlich schon fünf vor zwölf ist. Mal abgesehen von den jahreszeitlich bedingten Gewichtsschwankungen zu Fellwechselzeiten, die rund 30 % des Körpergewichts ausmachen können, ist eine Gewichtsabnahme meist ein Anzeichen einer Krankheit. Zum Wiegen setzt Eure Frettchen in eine Schüssel, die Ihr auf eine Küchenwaage stellt. Mit Multivitaminpaste sind sie ruhig und Ihr könnt das Gewicht bestimmen. Wiegt Eure Frettchen regelmäßig und schon bald erkennt Ihr, welche Schwankungen normal sind und welche nicht. Bei Auffälligkeiten kontaktiert einen Tierarzt.

Wiegen


Impfung:

Impfpass Frettchen

Frettchen werden gegen Staupe und Tollwut geimpft. Beides sind hochansteckende Viruserkrankungen, die zwar selten, aber tödlich sind. Mehr über Tollwut und Staupe erfahrt Ihr unter Krankheiten. Staupe kann erstmals ab der 6.-8. Lebenswoche geimpft werden. Vier Wochen später wird diese Impfung wiederholt. Die Erstimpfung gegen Tollwut kann ab der 13. Lebenswoche erfolgen. Optimalerweise impft man die Auffrischungsimpfung gegen Staupe und die Tollwutimpfung zusammen. Beide Impfungen werden nach der Grundimmunisierung jährlich aufgefrischt.

Tollwutmarke

 

 

 

 

 

 

 

Kastration:

Im Alter von ca. 8-10 Monaten werden Frettchen geschlechtsreif (=Ranz), was besonders bei Rüden in den seltensten Fällen zu überriechen ist. Die Hormone beginnen nun Wirkung zu zeigen. Rüden testen erneut ihre Grenzen aus, markieren Gegenstände, üben den Deckakt an allem möglichen und weisen teilweise ein klebriges Fell auf. Die Hoden sind nun deutlich sichtbar und ausgeprägt. Fähen werden etwas anhänglicher und ihre auf Kirschkerngröße angeschwollene Vulva sondert ein klebriges Sekret ab. Merkt man, dass seine Frettchen in die Ranz kommen, sollte man sie kastrieren lassen. Bei Fähen ist eine Kastration die einzige Dauerlösung zur Vermeidung der tödlichen Dauerranz (=Östrogenvergiftung). Mehr dazu unter Krankheit weiter unten. Rüden fallen zwar in keine Dauerranz, jedoch ist es möglich, dass Rüden, die nicht decken können, verhaltensgestört werden. Bitte beachtet, dass eine Sterilisation nicht ausreicht! Bei Frettchen werden beide Geschlechter kastriert. Nach der Kastration ist der Rüde – sofern er zuvor geschlechtsreif war – noch ca. 4 Wochen zeugungsfähig und sollte nicht in die Nähe unkasrtierter, ranziger Fähen gelangen! Ca. 4-6 Wochen nach der Kastration nimmt der starke Eigengeruch merklich ab. Leben unkastrierter Rüde und unkastrierte Fähe in einem Haushalt, ist besondere Vorsicht geboten, um nicht ungewollten Nachwuchs zu bekommen.

Kastrationsnarbe Fšhe konservierter Hoden

Konservierter Frettchenhoden

 

Zähne:

Frettchen neigen – wie auch andere Tiere – zu Zahnsteinbildung und können schlechte Zähne haben. Jedes Frettchen wird mindestens einmal im Leben eine Zahnbehandlung über sich ergehen lassen müssen. Nicht behandelte Zähne führen zu Schmerzen und Entzündungen und können böse Folgen haben. Es ist daher wichtig, dass Ihr Euren Frettchen regelmäßig ins Maul schaut. Die Zähne sollten weiß sein, frei von grünlich / grauen oder gar schwarzen Verfärbungen (Zahnstein ist anfangs gelblich, dann orange und wir abschließend dunkel) und intakt sein (keine Bruchstellen), das Zahnfleisch muss eine rosige Farbe vorweisen und frei von Entzündungen sein. Stellt Ihr bei Euren Frettchen fest, dass Zähne oder Zahnfleisch nicht wie oben beschrieben aussehen, solltet Ihr einen Tierarzt aufsuchen. Dieser nimmt eine Zahnbehandlung unter gering dosierter Vollnarkose vor. Zahnstein wird per Ultraschall entfernt, die übrigen Zähne werden „saniert“. Eine artgerechte und hochwertige Ernährung wirkt sich positiv auf die Zahngesundheit aus, ist aber kein Garant für lebenslang blütenweiße, gesunde Zähne. Zahngesundheit kann auch Veranlagung sein.

 

Baden:

Das Baden von Frettchen mit speziellem Tiershampoo ist in der Regel völlig unnötig, da sie sich, egal, wie dreckig sie auch sind, selber wieder reinigen. Selbst ein Albino ist wenige Stunden nach ausgiebigem Buddeln im Garten wieder weiß und schön. Sollte der Dreck hartnäckig sein, so kann man zunächst mit handwarmem Wasser versuchen, diesen zu entfernen. Geht das nicht, kann man immer noch ausnahmsweise zu Tiershampoo oder Babyshampoo greifen. Wer aber nun denkt, man könne mit häufigem Einshampoonieren dem Eigengeruch der (geschlechtsreifen) Frettchen vorbeugen, dem sei gesagt, dass das nicht funktioniert. Frettchen – wie auch andere Tiere – können sich nach ausgiebigem Einshampoonieren nämlich selber nicht mehr riechen und werden alles daran setzen, wieder so zu riechen wie vorher. Und das schaffen sie auch! Häufiges Einshampoonieren trägt zudem dazu bei, dass die Haut angegriffen, spröde und rissig wird. Mit Shampoo baden sollte man die Tiere nur dann, wenn es ausdrücklich von einem Tierarzt verordnet wurde oder das Tier so dreckig ist, dass ein Waschen mit warmem Wasser erfolglos bleibt.

Schmutzfink

Selbst diese Fähe hat es von selbst geschafft, sich wieder zu reinigen und frei von Dreck zu sein!

 

Krankheit

Leider sind Frettchen im Gegensatz zu anderen Tieren krankheitsanfälliger, weshalb die genaue Beobachtungsgabe des Halters genauso wichtig ist wie die regelmäßigen Gewichtskontrollen. Wir werden hier nicht im Einzelnen auf die Krankheiten eingehen, die Frettchen haben können, da das leider jeglichen Rahmen sprengen würde, wir wollen Euch das Wesentliche zur Dauerranz, zu Staupe und Tollwut erläutern und an Euch appellieren, dass Ihr bei Krankheitsanzeichen auf jeden Fall einen frettchenkundigen Tierarzt konsultieren und Eure Frettchen impfen lassen solltet. Bitte denkt auch daran, die Impfungen jährlich auffrischen zu lassen. In unserem Forum findet Ihr eine Liste mit frettchenkundigen Tierärzten in Deutschland. Seid Ihr auf der Suche nach einem frettchenerfahrenen Tierarzt, schaut dort nach.

Die nachstehenden Infos über Dauerranz, Tollwut und Staupe findet Ihr auch im Downloadbereich. Dort könnt Ihr Euch die Infos, komfortabel in einer PDF-Datei aufbereitet, runterladen.

Dauerranz:

Dauerranz endet in 95 % aller Fälle tödlich. Zu warten, ob die Fähe ggf. von selbst wieder aus der Ranz kommt, ist ein Spiel mit Leben & Tod und nicht zu empfehlen.
Die Vulva ist stark angeschwollen (ca. Haselnussgröße) und sondert ein klebriges, gelbliches Sekret ab. Die Fähe ist sehr geschwächt und aufgrund der hormonellen Umstellung trotzdem sehr quirlig, was zusätzlich an ihren Kräften zehrt.
Der Ranzzyklus (ca. 36 - 42 Tage) endet auf “natürlichem” Weg mit dem Deckakt, den wir aufgrund der erschreckenden Abgabetiersituation keinesfalls empfehlen können. Durch die Begattung kommt es bei der Fähe zum Eisprung. Fehlt aber nun dieser Impuls, so kommen die Fähen in die Dauerranz, d.h., der Ranzzyklus wird nicht mehr beendet. Die andauernde Hormonausschüttung (Östrogen) führt dazu, dass die Fähen starkem psychischem Stress ausgesetzt sind. Der Körper erleidet eine Östrogenvergiftung.
Die Fähe erfährt einen starken Gewichtsverlust, die Schleimhäute sowie die Vulva werden deutlich blasser und verlieren die rosafarbene Färbung. Am Fell kann man schüttere und stumpfe Stellen erkennen.
Durch die Dauerranz wird das Knochenmark angegriffen und es können Sickerblutungen in den Schleimhäuten sowie den inneren Organen auftreten. Die Fähen sind im Allgemeinen dann stark anfällig für bakterielle Infektionen, zum Beispiel an Leber oder Nieren.
Sofern es der Gesundheitszustand der Fähe erlaubt, ist eine Notkastration durch einen frettchenerfahrenen Tierarzt umgehend vorzunehmen, um das Tier von seinen Qualen und letztendlich auch von der Erschöpfung, zu der es bei der Dauerranz zwangsläufig kommt, zu befreien.
Sollte der Allgemeinzustand der Fähe so stark beeinträchtigt sein, dass eine Operation ein lebensgefährliches Risiko darstellt, so ist - mittels spezieller medikamentöser Spritzen - eine Scheinschwangerschaft einzuleiten. Aber auch dies gibt keine Garantie, dass sich die Ranz nach wiederum 36 - 42 Tagen selbstständig zurückbildet. Nur eine Kastration stellt eine eindeutige Dauerlösung dar!!
Vorbeugend kann man die Fähen im Alter von ca. 7 - 9 Monaten kastrieren lassen.
Wichtig ist, dass Fähen - wie auch Rüden - kastriert werden, damit die Hormonproduktion gestoppt wird. Eine Sterilisation, wie leider immer noch viele Tierärzte annehmen, beugt der Gefahr einer Dauerranz nicht vor!
 

Dauerranz

Staupe

Die seit dem 18. Jahrhundert bekannte Staupe (lat. „canine distemper“) oder auch Carré-Krankheit, ist eine hochansteckende Virusinfektion der Fleischfresser (Carnivoren), die mit dem menschlichen Masern-Virus verwandt ist. Das Virus kann zum Beispiel in ausgeschiedenem Kot – je nach Umweltbedingungen – bis zu 14 Tage lang überleben.

Die Symptome können je nach Staupeform unterschiedlich auftreten:

  • Die Verdauungstrakt betreffende Form (gastrointestinal) äußert sich durch Durchfall und Erbrechen mit schnell fortschreitender Austrocknung.
     
  • Die Atemorgan betreffende Form (respriratorisch) äußert sich durch (eitrigen) Schnupfen, Bronchitis, Lungenentzündung mit Husten, Atemnot und Kreislaufzusammenbrüchen. Diese Form endet meist mit dem Tod.
     
  • Die Augen betreffende Form ruft Entzündungen der Regenbogenhaut mit verbundener Lichtscheue hervor. In besonders schweren Fällen können auch Hornhautdefekte und Verlust des Sehvermögens auftreten.
     
  • Die Haut betreffende Form äußert sich durch Pusteln und Bläschen sowie erhöhter Hautrötung (z.B. an den Ohren).
     
  • Die Nerven betreffende Form greift in erster Linie das Zentrale Nervensystem an und kann Entzündungen des Gehirns hervorrufen. Epileptische Anfälle, Kieferkrämpfe, Lähmungen und Wesensveränderung sind die Symptome dieser besonders schweren Form, die meistens nach dem Abklingen der atemorganbetreffenden Form auftritt.
     
  • Die Hartballenform, die nur sehr selten auftritt, äußert sich nach der 2. Erkrankungswoche durch die Verdickung der Haut an Ballen und Nasenspiegel. Diese Form tritt meist nach der verdauungstraktbetreffenden oder nervalen Form auf und endet meistens mit dem Tode des Tieres.

Besonders Jungtiere sind anfällig für das Virus. Die Infektion erfolgt über den Nasen-Rachenraum (die sog. Tröpfcheninfektion) bei Kontakt mit erkrankten Tieren, aber auch – seltener - durch indirekte Übertragung (Hände, Kleider, Schuhe, Futternäpfe etc.). Ebenfalls ist eine Ansteckung der Welpen im Mutterleib möglich. Zwar ist der Welpe zunächst durch die in der Muttermilch vorhandenen Abwehrkörper geschützt, jedoch kann ca. 4-6 Wochen nach der Geburt, wenn der Welpe die Abwehrkörper nicht mehr zu sich nimmt, die Staupeerkrankung auftreten.

Einmal angesteckt, beträgt die Inkubationszeit, also die Zeit bis zum Auftreten der ersten Symptome, nur ca. 3-7 Tage. Welche Symptome das infizierte Tier entwickelt, hängt von vielen Faktoren wie etwa Alter, Immunstärke, anderen Virusinfektionen und letztlich auch vom Staupetyp ab.

Staupe führt zu einer immensen Beeinträchtigung des körpereigenen Immunsystems, was eine Parallelbehandlung mit Antibiotika erforderlich macht, um zusätzlichen bakteriellen Infektionen vorzubeugen.
Bei leichten Formen der Staupe ist eine Heilung möglich. Bei der nervalen und der atemorganbetreffenden Staupeform jedoch, ist eine Heilung praktisch ausgeschlossen.

Da die Staupeerkrankung die bei Hunden verlustreichste Virusinfektion war und die Tierbestände durch Epidemien stark reduziert wurden, wurde auf dem Gebiet der Immunisierung dieser Krankheit verstärkt geforscht. 1960 kam dann der erste Impfstoff auf den Markt, der seit dieser Zeit stetig verbessert wurde.

Bei Frettchen tritt am häufigsten die nervale, aber auch die atemorganbetreffende Form von Staupe auf. Frettchen können die Erstimpfung gegen Staupe bereits ab der 6.-8. Lebenswoche erhalten, die nach 4 Wochen wiederholt werden muss. Danach erfolgt eine jährliche Auffrischungsimpfung.

Besonders in den letzten Jahren konnten in Deutschland wieder vermehrt Staupefälle wahrgenommen werden, was vermutlich auf die Impfmüdigkeit der Besitzer, aber auch auf den Import von Tieren nach Deutschland zurückzuführen ist. (Anmerkung: werden Tiere nach Deutschland importiert, müssen sie lediglich einen Tollwutschutz aufweisen, nicht aber jedoch einen Schutz gegen andere Krankheiten!).

Tollwut:

Die Tollwut(oder auch Lyssa, Rabies, Rage, Wutkrankheit) ist eine seit Jahrtausenden bekannte Virusinfektion, die eine Gehirnentzündung und ggf. eine Rückenmarksentzündung hervorruft, welche in 100 % aller Fälle bei Auftreten der ersten Symptome zum Tode führt.
Tollwut ist nach § 3, Absatz 1 des Bundes-Seuchengesetz (BSeuchG) eine meldepflichtige Krankheit! Zu melden ist der Krankheitsverdacht, die Erkrankung sowie der Tod.
Man unterscheidet im Wesentlichen 2 Arten der Tollwut. Die sog. urbane Tollwut entspricht der Tollwut, an der Hunde erkranken können. An der sog. silvatischen Tollwut erkranken Wildtiere, also auch Frettchen.
Die meisten Arten von warmblütigen Tieren können mit dem Virus infiziert werden, Nicht-Fleischfresser befällt das Virus seltener und auch die Weitergabe des Virus ist unwahrscheinlich. Vögel zum Beispiel bekommen nur bedingt die Tollwut, was durch deren höhere Körpertemperatur begründet ist, da das Virus sich nicht optimal vermehren kann.
In der Regel überträgt sich das Virus durch einen Biss, aber auch Infizierungen über Speichel mit bestehenden Hautwunden sind beobachtet worden.
Vom Biss eines Tieres ausgehend, vermehrt sich das Virus zunächst in den Muskelzellen. Die Viren wandern dann anschließend über die Nerven zum Gehirn, wo sie sich stetig weiter vermehren. Dort „angekommen“, gelangen und vermehren sich die Viren in den Speicheldrüsen, der Bauchspeicheldrüse und den Haarbalgdrüsen weiter. Ausgeschieden werden sie dann über die körpereigenen Sekrete (Schweiß, Speichel) und die Exkremente.
Die Inkubationszeit kann nicht genau definiert werden, da es im Wesentlichen von der Virusmenge und von der Entfernung der Bisswunde zum Gehirn abhängt. In der Literatur wird von einer ungefähren Inkubationszeit von 2 – 8 Wochen ausgegangen. Ist die Krankheit ausgebrochen, ist deren Verlauf äußerst rasant, zwischen nur einem Tag und einer Woche erliegt das erkrankte Tier seinen Qualen.

 

Der Krankheit wird ein Verlauf in 3 Stadien nachgesagt:

* Vorläuferstadium
  Hohes Fieber, erhöhte Schmerzempfindlichkeit an der gebissenen Extremität, Appetitlosigkeit

* Akute neurologische Phase
  Schluckbeschwerden („Schaum vorm Maul“), Panikattacken, Krämpfe der Atemorgane, Wasserphobie, Wesensveränderungen

* Endstadium
  Lähmungen, Apathie, Tod im Koma durch Atemlähmung

Nicht immer werden infizierte Tiere auffällig aggressiv oder zeigen Wesensänderungen. Die Tollwut kann sich auch in der sog. „stillen Form“ äußern. Aber auch hier führt die Krankheit bei Auftreten der ersten Symptome unweigerlich zum Tod.
1885 entwickelte Louis Pasteur (ein nach seinem Tode heftig umstrittener Wissenschaftler) die erste Impfung für Menschen gegen Tollwut. Später erfolgte dann die Erfindung der Impfung für Tiere, die seitdem natürlich stetig weiter entwickelt wurde und heutzutage im Allgemeinen sehr verträglich für unsere Schützlinge sind.
Der Impfstoff besteht aus inaktiven Viren (Totimpfstoff), die verhindern, dass die Krankheit ausgelöst werden kann. Hier spricht man auch von einer aktiven Immunisierung.
Bei Menschen hilft – sofort nach dem Biss eines tollwütigen Tieres – eine passive Immunisierung, die aus fertigen Antikörpern besteht. Die vorbeugende Impfung (aktive Immunisierung) wird zusätzlich verabreicht.
Tiere, bei denen der Verdacht auf Tollwut besteht, werden eingefangen und in Quarantäne gebracht. Tritt nach ca. 14 Tagen keine Tollwut auf, so war das Tier nicht erkrankt. Treten aber Symptome auf, so kann eine Virendiagnostik durchgeführt werden. Leider ist aber schon der Verdacht auf eine Tollwuterkrankung ausreichend, um das Tier zu töten und die weiterführende Diagnostik am toten Tier weiterzuführen.
Zur genauen Diagnostik wird das Erbgut des Erregers in Hirnflüssigkeit, Speichel oder Hornhaut nachgewiesen.
In Deutschland zeigte die Bekämpfung der Tollwut (durch ausgelegte oder aus Flugzeugen abgeworfene Köder, die mit dem Impfstoff versehen waren) große Erfolge. Wurden im Jahr 1980 noch ca. 6.800 Fälle gemeldet, gingen die Zahlen stetig zurück (1991 = 3.500 Fälle, 1995 = 855 Fälle, 2001 = 50 Fälle, 2004 = 12 Fälle, 2006 = 1 Fall). Seit April 2008 gilt Deutschland offiziell als tollwutfrei!
Nur wenige Länder sind frei von Tollwut (zum Beispiel in Europa: England, Schweiz, Österreich), was durch gezielte Impfaktionen erreicht werden konnte.
Heimtierhalter können die Erstimpfung an ihren Schützlingen ab der 13. Lebenswoche vornehmen lassen, die dann jährlich aufgefrischt wird.

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